► 2 Stunden „Drill“ für den guten Zweck
Es ist ein ganz normaler Herbstmorgen. Kalt, nass und matschig. Es ist Donnerstag, 10 Uhr. Vor einer gefühlten Ewigkeit saß ich noch gemütlich im Oberstufenraum und unterhielt mich mit den anderen Leuten aus dem Pädagogikkurs über die neueste Jogginghosenmode. Ja. An diesem Tag sah jeder was „gemütlicher“ aus. Die ersten zwei Stunden im behaglichen und wohlig warmen Raum gingen sehr schnell zu Ende.
9.50 Uhr. Es regnet. Es ist kalt und wir haben schon alleine deswegen nicht sonderlich viel Lust, zwei Stunden am Stück zu laufen. Die letzten Modetipps zu Laufjacke und Schuhen werden ausgetauscht. MP3 Player werden eingestöpselt.
10.01 Uhr. Keiner läuft. Nach 30 Sekunden brüllt Herr Kuck: „Jetzt lauft doch endlich!“ Die Motivierten von uns sprinten los. Die anderen bilden Walking-Selbsthilfegruppen und unterhalten sich über die Beschaffenheit des Bodens, der inkompatibel mit ihren neuen Nike-Runningschuhen sind.
Auch ich trabe los und frage gleich mal am Anfang, ob auf dem eben ausgeteilten Laufzetteln nicht vielleicht schon das ein oder andere Kürzel stehen könnte. Vergebens. Beim Traben treffe ich andere Leidensgenossen und habe meine Walk- & Gelegenheitsläufer-Gruppe gefunden. Der Abschnitt „Stadtgarten Richtung Casal“ vollendet seine braunglänzende Schönheit von Matsch, gepaart mit dem Wohlgeruch von Hundekot und dem „Willi-Mohr-Dance-Mix 2010“.
„This is the rhythm of the night…“ schallt es aus den Boxen. Daneben: Lehrer, die dick eingepackt ihren Latte Macchiato mit extra viel Löffelschaum schlürfen, anfeuern und den 5. bis 8. Klassen Stempelchen aufdrücken. Natürlich unter Regenschirmen oder Pavillons.
Dann hoch in Richtung St. Sebastian. Herr Voigt und Frau Paetz stehen am Marco Polo und halten Wache. Jetzt rechts abbiegen zur Tittelsstraße, wo ebenfalls die Drill-Sergeants Frau Speuser und Frau Arens stehen. Nette Bewohner der Tittelsstraße haben Getränkestände aufgebaut, die schon nach kaum einer Runde Laufen belagert sind.
Zwischendrin läuft ein gutgelaunter Herr Beyer ein ordentliches Tempo, genauso wie die konzentrierte Frau Silex oder die Sportskanone Herr Strack.
Noch einmal rechts und den Hügel genießen. Und dann kommen sie: wusch. Die Kleinen. Die „Rakete im Popo - Kinder“. Die stolz ihren Zettel um den Hals tragen und schon 3 Runden hinter sich haben. Die Kinder, die nicht nur Mama und Papa sondern auch noch Frau Schneider von gegenüber nach einer Spende fragen. Beeindruckend.
Um zu sehen, ob ich auch noch so sportlich bin, sprinte ich die letzten Meter hinunter und komme hechelnd an meinem „Stempelstand“ an. Runde eins geschafft. Zufrieden gucke ich mir das „Dt“ auf meinem durchnässten Zettel an und klopfe mir imaginär auf die Schulter.
Und wieder geht das Ganze von vorne los: Stadtgarten, Kot und „Willi-Mohr-Dance-Mix“ (diesmal mit Musik von Pink), Kaffee schlürfende Lehrer, hoch zu Marco Polo, Tittelsstraße, Hügel und Mittendrin: die „Rakete im Popo-Kinder“. Ab und zu treffe ich Leidensgenossen, die nach fünf Runden auch nicht mehr sonderlich frisch aussehen. Wir sehen alle aus wie nach fünf Stunden militärischem Drill Camp.
12.00 Uhr. Der Sponsored Run ist vorbei. Alle denken wohl das Gleiche: „Nach Hause und unter die Dusche!“
Mit dem Fahrrad fahre ich gemütlich nach Hause und denke mir, dass der Tag doch gar nicht so schlimm war. Schule bis 12 statt bis viertel vor 5, nette Leute und ein Lauf-ergebnis, das mich stolz macht.
Bettina Begner
Impressionen:






























